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Tunesien, Nahtstelle zwischen Orient und Okzident, Tor zwischen abendländischer und islamischer Welt, so präsentiert sich der Maghrebstaat nicht nur im Reiseprospekt. Von Tabarka bis hinunter zur ehemaligen Piratenhochburg Mahdia reihen sich die Badeorte vierhundert Kilometer an der Küste entlang. Bewaldetes Bergland wechselt mit beschaulich-mediterraner Hafenidylle. (...) In monatelanger Vorbereitungsarbeit haben Renate und Detlef Mai aus Rendsburg von der deutsch-tunesischen Gesellschaft und Moktar Ben Hassine, Präsident der Gemeinde Salakta, diskutiert und organisiert, um einen deutsch-tunesischen Kulturaustausch mit dem Délégué Régional de la Culture von Mahdia zu verwirklichen. (...)
Amphitheater El Djem
Daß die Geschäfte mit dem grünen Gold Olivenöl vormals gute Gewinne einbrachten, läßt sich am Amphitheater von El Djem erahnen. Der Repräsentationsbau bot nach seiner Fertigstellung mehr Besuchern Platz, als die Stadt Einwohner zählte, und die Anlage sollte wohl vor allem das ferne Rom beeindrucken. Im August Anno Domini 2000 sollen aber nicht die Römer beeindruckt werden, sondern die Bürger von El Djem und Umgebung. (...)
Dezente und wenige Grundmuster malen die beiden tunesischen Tänzerinnen aus Sousse mit ihren Körpern in den fahl beleuchteten Bühnenraum - Hightech-Beleuchtung Fehlanzeige. Vor-, Rück- und Seitschritte, ein paar Drehungen und Sprünge charakterisieren ihre Darbietung. Akzente werden ausschließlich durch die Hüfte gesetzt, der Oberkörper folgt entspannt und aufrecht. Mit einer Hand keck den Rock gefaßt, mit der anderen in Schulterhöhe eine grazile Handhaltung und fertig ist die Folklore - schön anzusehen; die gute Mischung und das richtige Gefühl sind auch hier entscheidend. (...) Die Kieler Gruppe teilt sich an diesem Abend erstmals die Bretter, die oft die Welt bedeuten, mit der tunesischen Gesangs- und Tanztruppe. (...)
Auf Schatzsuche
La Socopa steht am Eingang der staatlichen Touristenläden. Man erhält dort Souvenirs, Trachten und sinnlosen Tand. Ein zuvorkommender Verkäufer des Ladens erzählt uns von M Fékih Hassine Najiba: Die ehemalige Tänzerin besitzt ein zweihundert Jahre altes Haus, in dem sie einige Räume als Museum eingerichtet hat. (...) M Fékih Hassine Najiba erzählt von den verschiedenen Stilrichtungen der tunesischen Tracht, von den Frauen von Dar Mahdia, die rund um die Burg wohnen, und sie berichtet von den Webereien und Stickereien, die sie natürlich auch als Nachbildung verkauft - eine gute Geschäftsfrau ist sie. (...)
Feste und Gäste
Bei Moktar Ben Hassines Schwägerin findet ein Fest statt. Die Tochter des Hauses feiert ihr bestandenes Abitur. Über 120 Gäste erscheinen. (...) Im Erdgeschoß werden mittlerweile Stuhlreihen aufgestellt, auf denen nur Frauen jeden Alters Platz nehmen, so als warteten sie alle auf den Beginn einer Theaterveranstaltung. (...)
Mit gewachsenem Selbstbewußtsein tanzen die Kieler Frauen bei ihrem letzten Auftritt in der restaurierten Burgruine des kleinen Hafenstädtchens Mahdia, das beiderseits vom Meer umspült wird. Die Herzlichkeit und Hilfsbereitsschaft der Tunesier läßt jede Panne - vermutlich nur aus europäischer Sicht als solche zu erkennen - verzeihen. (...)
Erst durch den Kontakt mit der Bevölkerung und der Kultur erschließt sich dem Reisenden, der sich auch den traditionellen Gegebenheiten anpaßt, der Charakter des Landes. (...)
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