Kunst kommt von können, denn wenn es von wollen käme, hieße es Wulst.“ Ein Bonmot, das nicht nur Beata Cifuentes gerne im Munde führt. Nur ein launiger Spruch? Auf Kunst - und desgleichen auf Nicht-Kunst - folgt häufig Kritik. Schmach über den, der Böses dabei denkt. Und dennoch ist die Krise nicht weit. Die Kunst steckt in der Krise, die Kritik steckt in der Krise und der Kritisierte kriegt sogleich die Krise. Doch sind wir heute noch wirklich kritisch? Im eigentlichen Wortsinne? Sind wir nicht eher geschmäcklerisch? Bekritteln dies, nörgeln an dem herum, bemängeln dann das und langweilen uns nur, wenn wir nicht permanent den neuen Kick bekommen...(...)

(...)Kritik üben ist die eine Seite, Kritik erdulden müssen die andere. Kritik ertragen die meisten Menschen nur schwerlich, und gerade Künstler leiden wegen ihrer erhöhten Sensibilität besonders darunter. Vielleicht rührt unsere tiefe Betroffenheit über eine kritische Beurteilung noch aus der Kindheit. Das Kind braucht die umfassende Liebe und Geborgenheit der Eltern und später der übrigen Bezugspersonen in Verwandtschaft, Kindergarten und Schule. Tadel und Rügen, Verbote und Sanktionen werden als Zurücksetzung und Liebesentzug empfunden und können tiefe psychische Verletzungen bewirken. Auch als Erwachsene gelingt es uns oft nicht, die sachlichen Inhalte einer kritischen Äußerung anzunehmen, wir fühlen uns persönlich getroffen.(...)

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Printausgabe TANZOriental 4/00
Seine Freunde zu befriedigen, ist noch lange keine Kunst: sie fängt erst an, wo man die Gleichgültigen aus ihrer Ruhe aufschreckt.
Hans von Marées

Es ist merkwürdig, daß, während der Preis für Kunstwerke so enorm gestiegen ist, die Kunst selbst ihren Anspruch auf unsere Achtung verloren haben sollte. Und doch ist es so. Das Ziel der Künstler - wie das von jedermann in diesen Zeiten - ist das Geldverdienen nicht etwa das Streben nach Ruhm wie in früheren Zeiten, als die Edelsten des Volkes Kunst als einen der Wege zum Ruhm betrachteten...
Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.)

Ernst ist das Leben. Heiter ist die Kunst.
Friedrich Schiller

Ernst ist die Kunst und heiter das Leben.
Kurt Schwitters

Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel.
Friedrich Nietzsche
Gesamtartikel
von Roswitha Möhl:
Ab S.9 in der Aprilausgabe
von TANZOriental