Die Große Seidenstraße verband die Völker und Staaten von Ost und West. In der Antike und im Mittelalter spielte diese historische Verbindung eine enorme kulturgeschichtliche Rolle. Sie förderte die Entwicklung neuer Technologien und Produktionsformen, der Kunst und Kultur sowie die Ausbreitung von Wissen, wobei die Höhepunkte der geistigen Leistungen vielleicht am bedeutendsten waren. Diese weitläufige Kultur- und Handelsroute schuf riesige Zentren des Handwerks, der Wissenschaft und des religiösen Lebens. Im 6. und 7. Jahrhundert führten drei Hauptwege von Ost nach West. Heute kennt man nur noch ihren ungefähren. - Wir nahmen die neue (Flug-)Route in zehntausend Metern Höhe über die Ostsee, Moskau, Sibirien und die Mongolei. Die Ausmaße Chinas sind schwer zu fassen. Seine nördlichste Stadt, Mohe in der Provinz Heilongjiang, liegt auf der Höhe von Berlin, die tropische Insel Hainan Dao entspricht dem Breitengrad der Südsahara.

LH 720 Frankfurt-Peking: Nach neun Stunden Flug am anderen Ende des eurasischen Kontinents, unser Ziel ist Peking. Gepäckkontrolle - Fehlanzeige. Wer sich vom Flughafen der Pekinger Innenstadt nähert und erträumt hat, auf den Spuren Marco Polos in eine geschichtsträchtige Hauptstadt einzufahren, sieht sich zunächst enttäuscht: Man überquert fünfzig Kilometer lang Umgehungs- und Ringstraßen, an deren Rändern unendliche Wohnsilos aus Beton stehen, die keineswegs chinesisch anmuten. Die Automassen wälzen sich durch breite Straßen, überfüllte Kreuzungen und alte Einheitsplattenbauten im Stil der sozialistischen Einheitsarchitektur der fünfziger Jahre. Je weiter wir in die City vordringen, reihen sich glitzernde, geschmackvolle Bauten ins Straßenbild ein, prunkvolle Pforten, integrierte Dacherker nehmen stilistische Anleihen bei der chinesischen Bautradition. Die Menschen sind modern und westlich gekleidet, die maoistische Einheitsuniform gibt es nur noch auf dem Land.
Auch das alte, das geruhsame, das bezaubernde Peking finden wir. Die chinesische Hauptstadt war einst von einer großen Stadtmauer eingefaßt, die leider in den sechziger Jahren kommunistischer Planung zum Opfer fiel. Doch man sieht noch ihre Spuren auf dem Stadtplan, denn dort wo einst die Mauer stand, verläuft heute die zweite Ringstraße. Nicht alles, was heute innerhalb der zweiten Ringstraße liegt, ist noch Altstadt, vieles ist bereits abgerissen oder saniert. Wenn man aber im nördlichen Teil des durch die zweite Ringstraße gebildeten Quadrats fährt, kann man noch sehen, wie bis vor etwa zwanzig Jahren fast alle Viertel Pekings aussahen: enge Straßen, von Bäumen beschattet, links und rechts von fensterlosen Mauern begrenzt, in die gelegentlich kleine Tore eingelassen sind.
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Printausgabe TANZOriental 4/01




Gesamtartikel von
Ute und Günter Dietz
Ab S.22 in der Aprilausgabe
von TANZOriental
Links zum Thema
Deutsche Botschaft in Peking
Chinainfos (englisch)
Fremdenverkehrsamt der VR China