Von den wohlbekannten Ghawazee Ägyptens (und den Ouled Nail in Nordafrika) ist leider bis zu der Zeit, in der Europäer begannen, in den Nahen Osten zu reisen und über die skandalösen und exotischen Tänzerinnen Ägyptens zu schreiben, nichts dokumentiert. Wie bei den tanzenden Jungen und Mädchen von Istanbul, über die auch keine schriftlichen Aufzeichnungen existieren, gibt es dafür eine Erklärung: In einer Gesellschaft, in der nur Eliten bzw. besonders Privilegierte überhaupt schreiben konnten, fand es niemand angemessen oder gar wichtig, über etwas so Gewöhnliches wie Tanz zu schreiben. Deshalb reicht kein Zeugnis vor 1600 zurück.

...Im allgemeinen galt es als unschicklich, Ghawazee in seinem Hause zu haben, dort war der Wirkungsbereich der angeseheneren Almeh. Oft waren die Almeh Teil des privaten Harems und lehrten die Liebeskünste mittels ihrer sinnlichen Tänze...

...Obwohl die frühen ausländischen Reisenden die Ghawazee ziemlich obszön fanden, malten sie auf ihren Bildern Frauen, die taillierte Tuniken tragen mit einem kurzen Mieder, großen, fülligen Röcken und umfangreichen Schals um die Hüften. Die Tunika, tief angeschnitten um das Mieder, scheint von den persisch-türkischen Tuniken zu stammen, wie sie bei Damen des ottomanischen Hofes en vogue waren...

Noch heute existiert in Ägypten eine Familie, die von sich behauptet, die wahren Nachkommen der Ghawazee zu sein. Meist hatten sie vor allem in Esna, Qena oder Luxor gesiedelt. Die heutigen Nachkommen leben in Luxor und sind als die Banaat Mazin bzw. Mazin-Familie bekannt. Die ägyptische nationale Folklore-Gruppe verwendete Forschungen mit dieser Familie, um Ghawazee-Tänze für die neue Folklore-Tradition zu choreographieren...

Gesamtartikel von Roswitha Möhl:
S. 12-15 in der Aprilausgabe von TANZOriental