Die Fortsetzung unseres Reiseberichtes der April-Ausgabe über das Reich der Mitte und seine Hauptstadt befaßt sich vor allem mit der Pekingoper, einem wesentlichen Kulturgut des Fernen Ostens.

Mit Oper im europäischen Sinne hat die Pekingoper nur sehr entfernt zu tun. Die Inhalte sind einfach, meist Legenden oder Geschichten, die jeder kennt. Es wird nicht allzu viel gesungen und von den liberalen Ideen und variablen Ausdrucksmitteln des modernen Regietheaters ist das stark ritualisierte und formalisierte Bühnengeschehen ebenfalls weit entfernt. Die Pekingoper (jingju) ist die wohl ausgeprägteste Form des chinesischen Theaters. Die Schauspieler beginnen bereits als Kinder mit dem harten Training, um die erforderlichen Körperbewegungen zu beherrschen. Die Geschichte der Pekingoper ist vergleichsweise jung und nahm vor rund zweihundert Jahren ihren Anfang; als der Qianlong-Kaiser achtzig Jahre alt wurde, ließ er zu seinem Geburtstag lokale Operntruppen aus den verschiedensten Regionen des Landes nach Peking rufen. Die vier besten Ensembles der Hui-Oper aus der Provinz Anhui blieben auf Einladung des Kaisers in der Hauptstadt, um den Hof auch weiterhin zu unterhalten. Aus den Stilen dieser vier Truppen und einer weiteren, die 1828 aus der Provinz Hubei nach Peking kam, sowie unter dem Einfluß anderer lokaler Opernstile wie Kunqu und Qinqiang entwickelte sich die klassische Pekingoper.

Traditionell ist die Pekingoper ein nachmittagfüllender Zeitvertreib. Vier bis sechs Stunden kann eine Vorstellung dauern. Die Pekingoper ist eine Kunst, die Musik, Gesang, Dialog, Tanz und Akrobatik miteinander verbindet. Für den Gesang stehen eine Reihe von festgelegten Melodien zur Verfügung, die im Rhythmus variieren können und die jeweilige Gefühlslage der Figuren ausdrücken sollen. Spärlich ist die Bühnenausstattung. Die Pekingoper arbeitet vor allem mit symbolischen Stilmitteln. Diese ersparen beim Türenöffnen, der Schiffsreise oder der Bergbesteigung die sonst nötigen Requisiten wie Haustür, Schiff und Berg. Zeit und Raum werden auf der Bühne in pantomimischen Darstellungen durchschritten, was den Schauspielern auch ermöglicht, andere Figuren zeitweise zu ignorieren, um während der Handlung nur die eigene Geschichte zu erzählen.

Die wichtigsten Rollen sind in die vier Gruppen aufgeteilt: sheng - männliche Rollen, dan - weibliche Rollen, jing - Rollen mit maskenartig geschminkten Gesichtern und chou - Spaßmacher. An den kräftigen Farben der bemalten Gesichter lassen sich die Charaktere der Figuren leicht erkennen. Die Pekingoper wird in die beiden Formen wenxi - Zivildrama und wuxi - Militärdrama, das relativ viel Akrobatik enthält, unterteilt. Die Akrobatik erhält ihre spezifischen Züge durch die Verbindung von Tanz und Kampfkunst..
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Printausgabe TANZOriental 6/01

Links zum Thema
Deutsche Botschaft in Peking
Chinainfos (englisch)
Fremdenverkehrsamt der VR China
Gesamtartikel von
Ute und Günter Dietz
Ab S.22 in der Junigabe
von TANZOriental