Anläßlich ihres Workshops im Münchner Zentrum für orientalischen Tanz sprach Walter Ben Antar für TANZOriental mit der bekannten türkischen Tänzerin Nesrin Topkapi über die aktuelle Situation und die musikalischen Erscheinungsformen des orientalischen Tanzes in der Türkei.

Der 9/8-Rhythmus war das Thema des heutigen Workshops. Nesrin, ist er ein Lebensgefühl, eine Leidenschaft, ein Rhythmus oder ein Tanzstil?

Der 9/8 ist ein Tanz der Zigeuner (Anm. d. Red.: Sinti und Roma). Ihr Lebenstil unterscheidet sich stark von unserem. Sie wohnen in Ghettos, haben ihre eigenen Bräuche und ein besonderes Lebensgefühl entwickelt, zu dem auch der Rhythmus zählt. Sie haben sich nie in die herrschende Gesellschaft integriert. Sie lebten, wie sie wollten, wie sie fühlten. Man könnte sagen, der Rhythmus ist vergleichbar mit ihrem Handeln, der Tanzstil vergleichbar mit ihrer Lebensphilosopie.

Seit wann tanzen Zigeuner den 9/8 in der Türkei, wie muß man sich die Ursprünge vorstellen?

Die Wurzeln der Zigeuner finden sich in Indien, über verschiedene Routen gelangten sie in die ganze Welt und mit ihnen ihre Sprache, die ihnen eigene Kultur und ebenso ihre Tänze. Der 9/8 spiegelt zum großen Teil ihr Leben wider, so daß Arbeiten des Alltags, wie Haus- und Feldarbeit, aber auch lustige Begebenheiten, wie Trunkenheit, Koketterie usw., sich im Tanz wiederfinden.

Nesrin, es scheint so, als ob du eigene Bewegungen und Posen im Tanz einsetzt. Haben sie eine bestimmte Bedeutung, sind sie vielleicht typisch für eine Region?

Nein, es sind meine eigenen Bewegungen. Aber du findest immer wieder ein arabisches oder griechisches Tanzelement darin oder einfach das Feeling von Folklore.
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