"Preis dir, o Nil, der herauskommt aus der Erde und herbeikommt, um Äypten zu ernähren, ... Der Gerste macht und Weizen schafft, daß er die Tempel Feste feiern lasse. ... Der Nahrung bringt und reich an Speisen ist, der alles Gute schafft. ... Wer in Kummer gewesen ist, ist fröhlich geworden und jedes Herz ist fröhlich ..."
F Folkore-Vorführung irgendwo in Ägypten, eine Show für Touristen, natürlich! Tänzerische Darbietungen in rascher Abfolge, in fast hektisch zu nennendem Tempo. Dann, fast unmerklich, ändert sich die Atmosphäre: Stille kehrt ein, Feierlichkeit. Auf der Bühne erscheinen Frauen in roten und hellen Gewändern, sie tanzen zu Ehren der Sonne und des Lichts. Und plötzlich ist er spürbar, der Funke, der an die lange, ehrwürdige Geschichte Ägyptens erinnert, der zu den Pyramiden, den Tempeln, den alten Feluken paßt. Ist das der Tanz des Alten Ägyptens?

Niemand kann das wissen, denn es existieren zwar Abbildungen ägyptischer Tänzerinnen, von denen das berühmteste, aus Theben stammende, tausendfach touristisch vermarktet ist, und es ist auch möglich, anschauliche Tableaus mit möglichst eckigen Tanzbewegungen nachzustellen, aber ist das ein Tanz aus alter Zeit?

Der Eindruck, den diese folkloristische Darbietung - auf einer schon Jahre zurückliegenden Ägyptenreise - auf mich gemacht hat, ist so stark und nachhaltig gewesen, daß ich mich immer wieder mit dem Gedanken beschäftigt habe, einen Tanz an die Sonne zu kreieren, der in Gestik und Symbolik im Zusammenhang mit altägyptischen Quellen steht.
So machte ich mich auf die Suche, las und durchforschte die entsprechende wissenschaftliche Literatur.

Fündig wird man auf unterschiedlichen Gebieten wie Schriftkunde, Geographie oder Mythen - in Verbindung mit der Geschichte Ägyptens und Forschungsergebnissen bezüglich Gebärden und Gesten. Heilige eingeritzte Zeichen, Hieroglyphen, nannten die alten Griechen die Schrift der Ägypter, die aus Bild-, Laut- und Symbolzeichen besteht, deren Anteil von der jeweiligen Entwicklung abhängig war. Bekannt ist das Zeichen für die Sonne: ein Kreis mit einem Punkt darin, anschaulich darstellbar im Tanz.
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Gesamtartikel von Barbara Stuiber
ab
S. 37 in der Augustausgabe von TANZOriental